Die Waldlichtung

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Ich habe heute zwei Bücher in der Bibliothek zurückgegeben und da ich die Frist verpennt hatte musste ich leider 6€ da lassen…

Auf dem Rückweg wollte ich nicht die übliche Route nehmen, ich war mit dem Fahrrad unterwegs und das Wetter hätte nicht schöner sein können. Also bog ich, statt dem gewohnten Weg zu folgen in einen kleinen Pfad, der zwischen vielen kleinen Schrebergärten hindurchführte. Weil ich fasziniert in die hübschen Gärten spähte übersah ich das Sackgassenschild und musste kurze Zeit später vor zwei eisernen Gartentoren zum Stehen kommen. Also drehte ich um und nahm einen weiteren unbekannten Weg, dieser führte an der S-Bahn Gleise vorbei und war so eng, dass ich beinahe mit den entgegenkommenden Fahrradfahrern kollidierte. Am Ende des Pfades musste ich enttäuscht feststellen, dass ich in einem mir unbekannten Wohngebiet gelandet war. Ich fuhr ein wenig umher, bewegte mich aber dann doch wieder in Richtung Park. Diesmal war es aber nicht der S-Bahn Pfad sondern ein gut besuchter Spazierweg. Dieser nahm jedoch an einigen Sportplätzen ein jähes Ende und mündete in eine befahrene Straße. Aber ich war zu stur um jetzt schon wieder umzudrehen.

Ich weiß nicht warum, aber immer wenn ich Mist baue fühle ich mich von den Menschen, die um mich sind beobachtet. Dabei sahen die höchstwarscheinlich nur eine junge Frau, die auf ihrem Fahrrad saß und irgendwohin fuhr…

Irgendwann entdeckte ich einen großen Spielplatz in einem Park – das musste mein Park sein! So langsam wollte ich ja doch wieder nach Hause… Die Sonne schien unerbittlich also beschloss ich das kleine Wäldchen zu durchqueren, das ich etwas weiter hinten im Park sehen konnte. Ich liebe den Wald, alles riecht nach Holz und Blättern, das Licht spielt in den Baumkronen verstecken und hinterlässt darin die schönsten Farben und der Boden ist übersäht von Schattenmustern. Außerdem fühlt man sich geborgen und unbeobachtet, was man von den weitläufigen Wiesen und Wegen des Stadtparks sonst nicht behaupten kann.

Mir fiel auf wie lange ich nicht mehr in einem Wald gewesen bin, als ich noch überlegte ob ich meine Zeit hier eine Weile hinauszögern sollte sah ich eine ungewöhnliche Lichtung. Überall lagen ungestürzte Bäume, ich stieg vom Fahrrad und begutachtete das ganze aus der Nähe. Scheinbar hatten sich hier eine Gruppe des Waldkindergartens oder ein Pfadfindertrupp ein paar Astzelte gebaut. In der allgemeinen Verwüstung lag trotzdem so etwas wie Ruhe. Ein Blick nach oben ließ mich die Mücken vergessen, die sich scheinbar an meinem Blut satttrinken wollten. Wie ein schützendes Dach beugten sich die Bäume über mich, doch der Himmel war noch deutlich zu sehen, das Licht konnte mich hier unten erreichen.
Ich war mir dessen bewusst, dass ich keine Ahnung hatte wo ich mich gerade befand und diese Tatsache hatte mich einige Minuten zuvor noch unter Stress und Panik versetzt. Jetzt war ich einfach nur froh einen so schönen Ort gefunden zu haben.

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Die Mücken schienen mir die gefundene Ruhe leider nicht zu gönnen, also stieg ich wieder auf mein Fahrrad. Und auch wenn ich vielleicht einige Male im Kreis fuhr und sicher nicht den kürzesten Weg nach Hause fand, so war es doch ein schönes, kleines Abenteuer. Dank der kleinen Waldlichtung konnte ich mich an der Fahrt freuen und machte mir keine Gedanken mehr darum ob die Leute, die mir begegneten ahnten, dass ich mich verfahren hatte. Ich genoss einfach das schöne Wetter und den Geruch des Frühlings. Denn ich dachte immer an das Baumkronen-Dach über meinem Kopf und das Licht, das dadurch auf die Lichtung fiel.

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to be continued…

 

~Anne~

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